Zeitdokumente analoger Fotografie – zwischen Kommerz und Anspruch, Erinnerung und Engagement
Photomaton: Deutschland 1920er bis 1940er Jahre
Diese fotografischen Automaten lieferten ab den 1920er Jahren vollautomatisch erstellte Bildserien. Der Apparat, in Kabinenform aufgestellt, führte den gesamten Aufnahmeprozess – Belichtung, Entwicklung, Fixierung und Trocknung – mechanisch und ohne Personal aus. Das Verfahren war ein Meilenstein in der Demokratisierung der Porträtfotografie: anonym, preiswert und in wenigen Minuten verfügbar.
Ursprünglich für amtliche Passfotos entwickelt und in Bahnhöfen oder Kaufhäusern aufgestellt, wurde der Photomaton durch seine günstige, schnelle und anonyme Funktionsweise nicht nur zum Ort der Selbstinszenierung, sondern dokumentierte zugleich – von den offenen, experimentierfreudigen 1920er Jahren über die ideologisch geprägte Uniformierung der NS-Zeit bis hin zu den Spuren des Kriegs – die sich wandelnde Physiognomie und das Selbstbild einer ganzen Gesellschaft.